SN vom 15.05.21

Mit dieser Veröffentlichung ist klar, dass fast der gesamte Rat der Stadt Bückeburg für das HRL und für die Aufhebung des Landschaftsschutzes am geplanten Standort stimmen wird. Lediglich die Grünen haben sich dagegen positioniert.  Die Mehrheitsmeinung ignoriert, dass die Drohungen von Edeka  mit dem vollständigen Arbeitsplatzverlust und Totalverlust der Gewerbesteuer hohl und falsch sind: Bauerngut kann Bückeburg nicht kurzfristig verlassen - Gewerbesteuerminderungen nach einem Neubau des Logistikzentrums sind jedoch sicher. Es drohen auch Arbeitsplatzverluste im Stammwerk selbst bei Durchführung des Neubaus aufgrund der hochgradigen Automatisierung im HRL.

Das Hochregalllager könnte aber technisch und logistisch durchaus auch an einer anderen Stelle in Bückeburg, z.B. in einem Industriegebiet gebaut werden.

 

 

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Artikel vom 08.05.21 - kommentiert

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"Verkehrte Welt" war in der heimischen Presse ein Kommentar über die Haltung der heimischen Politik zum geplanten Hochregal-Lager der Firma Bauerngut überschrieben. Besser kann man es nicht formulieren. In der Tat ist die Causa Bauerngut eine Situation, wie sie sich ein Franz Kafka grotesker und bizarrer nicht ausdenken könnte.
 
Da wird seit Jahren ein erfahrener und ungemein professionell arbeitender Veranstalter von Mittelaltermärkten und Musikfestivals bei der Organisation eines gerade einmal an vier Tagen im Jahr im Landschaftsschutzgebiet Bückeburg-West / Sandfurth stattfindenden Groß-Festivals seitens der Genehmigungsbehörden mit allen wirklich nur denkbaren und undenkbaren, teilweise restlos absurden Auflagen, Anordnungen, Verboten, Vorschriften, Einschränkungen und Verordnungen drangsaliert, gegängelt, gefesselt, eingeschränkt und schikaniert.
 
Das führte sogar so weit, dass der Aufbau des im vergangenen Jahres stattgefundenen "MPS Skulpturenparks" erst nach der Brut- und Setzzeit beginnen durfte, dass auf Teilen des Veranstaltungsareals keine Zelte errichtet, keine Tonanlagen installiert, keine Fackeln, keine Kerzen und keine Feuerkörbe entzündet und keine Halogenscheinwerfer eingesetzt werden durften und zudem einige Veranstaltungsbereiche früher schließen und ihren Betrieb einstellen mussten, damit auch ja nicht die ach so sensiblen und empfindsamen Geschöpfe im benachbarten Naturschutzgebiet "Hofwiesenteiche" gestört wurden. Ganz zu schweigen von den so unfassbar geräuschempfindsamen menschlichen Anwohnern.
 
Ein Veranstalter übrigens, der das Veranstaltungsgelände am und südlich des Mausoleums alljährlich sauberer und aufgeräumter zurücklässt als jedes Dorfschützenfest, bei dem es trotz einer jährlich fünfstelligen Besucherzahl noch nie zu nennenswerten Ausschreitungen kam, der jedes Jahr allein mit seiner Veranstaltung an zwei Wochenenden für neue Besucher- und Übernachtungsrekorde in Bückeburg sorgt und dem es zu verdanken ist, dass Bückeburg seit Jahrzehnten in ganz Europa den Ruf eines Mekka der Mittelalterszene genießt.
 
Wenn aber in genau dem gleichen Landschaftsschutzgebiet Bückeburg-West / Sandfurth ein heimischer Industriebetrieb ein Logistikzentrum von geradezu grotesker Gigantomanie errichten will, das mit 27 Metern Höhe nahezu drei mal so hoch würde wie der Sprungturm des Bückeburger Bergbads und mit 150 Metern Breite das einmalige Landschaftsbild mit dem Blick Richtung Süden auf das Wesergebirgs-Panorama restlos und für immer zerstören würde, und das allein mit der Bauphase unweigerlich für eine unfassbare Lärm- und Schmutzemission sorgen würde, dann haben große Teile der heimischen Politik nichts Besseres zu tun, als vor diesem Vorhaben brav und artig den Kotau zu machen.
 
Ein Industriebetrieb übrigens, der mit der Verarbeitung von Fleisch- und Wurstwaren eine der ungesündesten Ernährungsarten unterstützt, der als Bestandteil der Fleischverarbeitungskette den weltweiten Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid durch Nutztierhaltung fördert, der einen der dramatischsten Corona-Ausbrüche der letzten Monate in Bückeburg zu verzeichnen hatte und der jetzt noch nicht einmal davor zurückschreckt, die eigenen Mitarbeiter für seine Ziele als Geiseln zu instrumentalisieren und die heimische Politik mit der Androhung einer massenhaften Verlagerung von Arbeitsplätzen zu erpressen.
 
Es ist erschütternd mitanzusehen, mit welcher Entschlossenheit die SPD Bückeburg für das Bauvorhaben votiert. Ausgerechnet die Partei, die vor Jahren so ungemein weise war, die Vernichtung des gesamten Bückeburger Schlossareals durch den Bau der "Schlosspark-Tangente" zu verhindern, die 1998 die kostbaren Bückeburger Hofwiesen vor der Bebauung mit Hochhäusern rettete und die auch aktuell in der Frage einer ICE-Neubaustrecke durch Schaumburg eine so glasklar richtige und vernünftige Position vertritt, macht sich hier zum Fürsprecher dieses Vernichtungswerks.
 
Bizarrer Treppenwitz: Als ganz besonders lautstarker Befürworter des Bauerngut-Neubaus tut sich ausgerechnet der langjährge Ratsherr und Ortsvorsteher eines im Norden Bückeburgs gelegenen Ortsteils hervor, der im vergangenen Sommer mit geradezu aberwitzigen Diffamierungen und Unterstellungen versuchte, den MPS Skulpturenpark zu verhindern.
 
Man möge sich vorstellen, was so kluge, scharfsichtige und klarsehende Politiker wie der ehemalige Fraktionschef Reinhard Fricke oder die Ratsmitglieder Gerhard Uthe und Wolfhard Müller empfinden würden, wären sie noch am Leben und müssten das miterleben.
 
Der im Dezember 2020 verstorbene Gerhard Uthe war übrigens zeitlebens der völlig richtigen Überzeugung, das gesamte Bauerngut-Fleischwerk wäre östlich von Bückeburg im Gewerbegebiet Kreuzbreite viel besser aufgehoben als am westlichen Ortsrand. Es zeigt, wie weitsichtig, geradezu prophetisch dieser hochverdiente Ratsherr und erfolgreiche Unternehmer zu denken im Stande war: Denn dort könnte man jetzt nicht nur den Betrieb problemlos in östlicher Richtung entlang der Bundesstraße 65 erweitern, ohne damit ein Landschaftspanorama zu zerstören. Man hätte damit zugleich auch die einmalige Möglichkeit, die in genau in diesem Bereich geplante Idaturm-Trasse der Bahn zu verhindern.
 
FotoPietschHarrl
 

 

Bauerngut-Mitarbeiter in Sorge / „Wir wollen jetzt endlich Klarheit“

Bauerngut-Neubau – Kreisbehörde empfiehlt Aufhebung des Schutzgebietes

BÜCKEBURG. Nun ist es offiziell – die Landkreisbehörde empfiehlt die Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes für den Bau des Hochregallagers von Bauerngut am Hasengarten. Die Experten der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises seien bei ihren Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass es „keine unüberwindbaren Hindernisse“ für die Löschung des Schutzstatus‘ gebe, erklärt Baurat Björn Sassenberg.

Nun muss die Politik entscheiden. Am 28. Juni wird der Kreistag zusammenkommen und darüber beraten. Im Rathaus freue man sich über das „klare Signal aus der Kreisverwaltung“, erklärt Sassenberg im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ingenieure für Hydrogeologie, Hydrochemie und Umweltschutz sind darüber hinaus mit ihren Gutachten fertig. Sie hatten erforscht, welche Auswirkungen der Bau des Hochregallagers auf die Hofwiesenteiche haben könnte. Die Grünen und die Kritiker des Hochregallager-Baus hatten in der Vergangenheit vielfach die Befürchtung geäußert, dass sich der Grundwasserspiegel der Hofwiesenteiche absenken könnte. Die Bedenken seien unbegründet, erklärt Amtsleiter Sassenberg. „Nach Angaben der Ingenieure sind keine Auswirkungen auf die Hofwiesen-Teiche durch den Bau des Hochregallagers zu erwarten“, erklärt der Baurat. Auch ein Verkehrsgutachten und der Artenschutzbericht seien fertig, zudem eine schalltechnische Untersuchung von Fachleuten abgeschlossen worden.

Die Fahrbahn der Straße „Hasengarten“ soll neuesten Planungen zufolge auf der Westseite um 2,60 Meter ausgeweitet werden, sodass in der Fahrspur Richtung Süden ein 5,50 Meter breiter Bereich als Linksabbiegehilfe entstehen kann. „Die Fahrspur Richtung Norden bleibt unverändert, ebenso der Geh- und Radweg auf der Ostseite“, erklärt Sassenberg.

Derweil sind die Sorgen bei den 847 Mitarbeitern im Bückeburger Bauerngut-Werk groß. „Die Leute haben Angst um ihren Job“, sagt Michael Haftmann, Betriebsrats-Vorsitzender bei Bauerngut. Seine Kollegen seien seit dem Zeitungsbericht sehr beunruhigt. Bauerngut hatte gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass das Unternehmen nun auch einen Wegzug aus Bückeburg nicht mehr ausschließe und bereits mit anderen Kommunen Gespräche führen würde. „Wir waren entsetzt über diese Nachricht“, sagt Haftmann. Der Betriebsrat fordert von der Bückeburger Politik kurzfristig ein klares Bekenntnis – sowohl zum Erhalt des seit über 30 Jahren ansässigen Standorts als auch zum geplanten Neubauvorhaben. „Die Problematik ist bereits seit 2019 in den politischen Gremien bekannt. Alle Informationen von Seiten Bauerngut liegen offen auf dem Tisch. Wir wollen jetzt endlich Klarheit. Nicht nur für unsere Kollegen selbst, sondern auch für deren Familien, die zum Großteil hier in Bückeburg leben“, sagt Haftmann.

Jürgen Hockemeier vom Arbeitskreis Landschaftsschutz, einer Gruppe, in der sich Gegner des Hochregallagers formiert haben sollen, hatte vor Kurzem behauptet, dass von den über 800 Arbeitsplätzen „höchstens 300 echten Schaumburgern“ gehören würden. Die anderen seien „Arbeitsmigranten mit Zeitverträgen, deren Familien in der Regel nicht im Kreis Schaumburg wohnen“ würden, schrieb Hockemeier in einer Mail an die SPD-Ratsfrau Sandra Schauer-Bolte, die er auf Facebook veröffentlicht hat.

Michael Haftmann kann da nur mit dem Kopf schütteln. „Das stimmt nicht“, sagt er. Im fleischverarbeitenden Bereich gebe es keine Leiharbeiter und keine Werksverträge mehr. „Sehr viele ausländische Mitarbeiter haben hier Wohnungen und Familie“, erklärt Haftmann. Er selbst komme aus Berlin und habe in Bückeburg eine Wohnung.

SPD-Ratsherr Dieter Everding erinnerte in der letzten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses noch einmal daran, dass der Stadt bei einem Wegzug von Bauerngut erhebliche Steuereinnahmen fehlen würden. „Ob dann noch Geld für Sport und Kultur da ist, stelle ich infrage“, sagte der Politiker. Mögliche daraus resultierende Steuererhöhungen würden jeden Bürger „belasten“. Die Grünen-Politikerin Cornelia Laasch unterbrach Everding. Die Ausschusssitzung sei nicht der Rahmen für Statements, sagte sie, woraufhin Everding mit dem Satz seine Rede beendete: „Bitte, wenn Sie Angst haben“.

SPD-Ratsherr Gerhard Schöttelndreier wetterte am Freitag in einem Schreiben an die Redaktion gegen die Politiker anderer Fraktionen. „Leider gibt es aber auch immer wieder Politikerinnen und Politiker, die sich Stimmen von den Gegen-Alles-Stimmungsmachern versprechen. Wenn sie sich damit nur nicht täuschen, denn die schweigende Mehrheit der Vernünftigen und Einsichtigen nimmt auch an der Wahl teil.“