Bauerngut-Mitarbeiter in Sorge / „Wir wollen jetzt endlich Klarheit“

Bauerngut-Neubau – Kreisbehörde empfiehlt Aufhebung des Schutzgebietes

BÜCKEBURG. Nun ist es offiziell – die Landkreisbehörde empfiehlt die Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes für den Bau des Hochregallagers von Bauerngut am Hasengarten. Die Experten der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises seien bei ihren Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass es „keine unüberwindbaren Hindernisse“ für die Löschung des Schutzstatus‘ gebe, erklärt Baurat Björn Sassenberg.

Nun muss die Politik entscheiden. Am 28. Juni wird der Kreistag zusammenkommen und darüber beraten. Im Rathaus freue man sich über das „klare Signal aus der Kreisverwaltung“, erklärt Sassenberg im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ingenieure für Hydrogeologie, Hydrochemie und Umweltschutz sind darüber hinaus mit ihren Gutachten fertig. Sie hatten erforscht, welche Auswirkungen der Bau des Hochregallagers auf die Hofwiesenteiche haben könnte. Die Grünen und die Kritiker des Hochregallager-Baus hatten in der Vergangenheit vielfach die Befürchtung geäußert, dass sich der Grundwasserspiegel der Hofwiesenteiche absenken könnte. Die Bedenken seien unbegründet, erklärt Amtsleiter Sassenberg. „Nach Angaben der Ingenieure sind keine Auswirkungen auf die Hofwiesen-Teiche durch den Bau des Hochregallagers zu erwarten“, erklärt der Baurat. Auch ein Verkehrsgutachten und der Artenschutzbericht seien fertig, zudem eine schalltechnische Untersuchung von Fachleuten abgeschlossen worden.

Die Fahrbahn der Straße „Hasengarten“ soll neuesten Planungen zufolge auf der Westseite um 2,60 Meter ausgeweitet werden, sodass in der Fahrspur Richtung Süden ein 5,50 Meter breiter Bereich als Linksabbiegehilfe entstehen kann. „Die Fahrspur Richtung Norden bleibt unverändert, ebenso der Geh- und Radweg auf der Ostseite“, erklärt Sassenberg.

Derweil sind die Sorgen bei den 847 Mitarbeitern im Bückeburger Bauerngut-Werk groß. „Die Leute haben Angst um ihren Job“, sagt Michael Haftmann, Betriebsrats-Vorsitzender bei Bauerngut. Seine Kollegen seien seit dem Zeitungsbericht sehr beunruhigt. Bauerngut hatte gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass das Unternehmen nun auch einen Wegzug aus Bückeburg nicht mehr ausschließe und bereits mit anderen Kommunen Gespräche führen würde. „Wir waren entsetzt über diese Nachricht“, sagt Haftmann. Der Betriebsrat fordert von der Bückeburger Politik kurzfristig ein klares Bekenntnis – sowohl zum Erhalt des seit über 30 Jahren ansässigen Standorts als auch zum geplanten Neubauvorhaben. „Die Problematik ist bereits seit 2019 in den politischen Gremien bekannt. Alle Informationen von Seiten Bauerngut liegen offen auf dem Tisch. Wir wollen jetzt endlich Klarheit. Nicht nur für unsere Kollegen selbst, sondern auch für deren Familien, die zum Großteil hier in Bückeburg leben“, sagt Haftmann.

Jürgen Hockemeier vom Arbeitskreis Landschaftsschutz, einer Gruppe, in der sich Gegner des Hochregallagers formiert haben sollen, hatte vor Kurzem behauptet, dass von den über 800 Arbeitsplätzen „höchstens 300 echten Schaumburgern“ gehören würden. Die anderen seien „Arbeitsmigranten mit Zeitverträgen, deren Familien in der Regel nicht im Kreis Schaumburg wohnen“ würden, schrieb Hockemeier in einer Mail an die SPD-Ratsfrau Sandra Schauer-Bolte, die er auf Facebook veröffentlicht hat.

Michael Haftmann kann da nur mit dem Kopf schütteln. „Das stimmt nicht“, sagt er. Im fleischverarbeitenden Bereich gebe es keine Leiharbeiter und keine Werksverträge mehr. „Sehr viele ausländische Mitarbeiter haben hier Wohnungen und Familie“, erklärt Haftmann. Er selbst komme aus Berlin und habe in Bückeburg eine Wohnung.

SPD-Ratsherr Dieter Everding erinnerte in der letzten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses noch einmal daran, dass der Stadt bei einem Wegzug von Bauerngut erhebliche Steuereinnahmen fehlen würden. „Ob dann noch Geld für Sport und Kultur da ist, stelle ich infrage“, sagte der Politiker. Mögliche daraus resultierende Steuererhöhungen würden jeden Bürger „belasten“. Die Grünen-Politikerin Cornelia Laasch unterbrach Everding. Die Ausschusssitzung sei nicht der Rahmen für Statements, sagte sie, woraufhin Everding mit dem Satz seine Rede beendete: „Bitte, wenn Sie Angst haben“.

SPD-Ratsherr Gerhard Schöttelndreier wetterte am Freitag in einem Schreiben an die Redaktion gegen die Politiker anderer Fraktionen. „Leider gibt es aber auch immer wieder Politikerinnen und Politiker, die sich Stimmen von den Gegen-Alles-Stimmungsmachern versprechen. Wenn sie sich damit nur nicht täuschen, denn die schweigende Mehrheit der Vernünftigen und Einsichtigen nimmt auch an der Wahl teil.“